DIN 13155: Was gehört in den Notfallrucksack für den Sanitätsdienst?
Wer einen Notfallrucksack für den Sanitätsdienst beschafft, steht schnell vor einem Zahlensalat: DIN 13155, DIN 13160, DIN 14142, DIN 13232. Die Normen klingen austauschbar, meinen aber unterschiedliche Einsatzbereiche — und wer die falsche beschafft, hat im Zweifel eine Ausstattung, die der Prüfung nicht standhält.
Dieser Beitrag ordnet die Normen ein, erklärt den Unterschied zwischen Füllung und Komplettset und zeigt, worauf es beim Rucksack selbst ankommt.
Wofür die DIN 13155 gedacht ist
Die DIN 13155 beschreibt die Ausstattung des Notfallrucksacks für den Sanitätsdienst. In der Praxis ist sie die gängige Grundlage für Sanitätsdienste bei Veranstaltungen, für Hilfsorganisationen und für den erweiterten Katastrophenschutz. Wer Einsatzkräfte ausstattet, die eine qualifizierte Erstversorgung leisten, aber kein notärztliches Material vorhalten muss, landet in aller Regel bei dieser Norm.
Achten Sie auf den Ausgabestand
Ein Punkt, der in Ausschreibungen regelmäßig übersehen wird: Die Ausgabe DIN 13155:2016-03 ist zurückgezogen. Gültig ist seit November 2018 die Fassung DIN 13155:2018-11.
Ein großer Teil des Marktes führt weiterhin die ältere Jahreszahl in Produktnamen und Datenblättern. Das ist kein Beinbruch, solange der Inhalt stimmt — aber wenn in Ihrer Dienstvorschrift oder Ausschreibung ein Ausgabestand festgeschrieben ist, sollten Sie ihn sich bestätigen lassen. Unsere Füllung SAN entspricht der Fassung DIN 13155:2018-11.
Die Normen im Vergleich
| Norm | Typischer Einsatzbereich | Wofür sie steht |
|---|---|---|
| DIN 13155 | Sanitätsdienst, Hilfsorganisationen, erweiterter Katastrophenschutz | Notfallrucksack für die qualifizierte Erstversorgung |
| DIN 13160 | Sanitätsdienst, einfachere Einsatzlagen | Sanitätstasche mit klassischem Verbandmaterial, ohne Diagnostik- oder Beatmungskomponenten |
| DIN 14142 | Feuerwehr | Ausstattung für den Feuerwehreinsatz, auch als Variante 14142-K |
| DIN 13232 | Arztpraxis, Klinik, Notarzt | Notfallausstattung mit Modul A/B für Erwachsene und Modul C für Kinder |
| DIN 13169 | Betriebliche Erste Hilfe | Verbandkasten Typ E für größere Betriebe |
Die wichtigste Faustregel: Die Norm richtet sich nach dem Auftrag der Einsatzkräfte, nicht nach der Größe der Organisation. Ein kleiner Sanitätsdienst braucht keine notärztliche Ausstattung nach DIN 13232, eine Arztpraxis kommt umgekehrt mit einer 13155-Füllung nicht weit.
DIN 13155 oder DIN 13160? Beide Normen sind für den Sanitätsdienst gedacht, unterscheiden sich aber im Ausstattungsumfang deutlich. Die DIN 13160 beschreibt eine Sanitätstasche mit klassischem, einfach gehaltenem Verbandmaterial — gedacht für leichtere Einsatzlagen ohne erweiterten Versorgungsbedarf. Die DIN 13155 geht darüber hinaus und ergänzt Material zur Diagnostik, etwa ein Blutdruckmessgerät, sowie zur Beatmung, wie es der qualifizierte Sanitätsdienst bei Veranstaltungen oder im erweiterten Katastrophenschutz braucht. Die Bezeichnung DIN 13160 ist am Markt nach wie vor sehr gebräuchlich und vielen Beschaffern ein Begriff, auch wenn Teile des Bedarfs heute über neuere Normen wie die DIN 13157 abgedeckt werden.
Füllung oder Komplettset?
Beim Kauf gibt es zwei Wege, und der Preisunterschied überrascht die meisten.
Nur die Füllung kostet 189 € netto. Das ist die richtige Wahl, wenn bereits ein Rucksack vorhanden ist und lediglich der Inhalt erneuert oder normgerecht ergänzt werden soll — ein Fall, der nach einigen Jahren Nutzung regelmäßig eintritt, wenn Verfallsdaten erreicht sind.
Das Komplettset aus Rucksack und Füllung kostet 239 € netto. Der Rucksack schlägt also mit gerade einmal 50 € zu Buche. Wer ohnehin neu beschafft oder unsicher ist, ob der vorhandene Rucksack noch taugt, fährt mit dem Komplettset fast immer besser.
Die gehobene Variante, der LIFEGARD EMS ONE 2.0 mit Füllung nach DIN 13155, liegt bei 549 € netto. Der Aufpreis steckt nicht in einer anderen Füllung, sondern im Rucksack selbst: sieben Modultaschen, ein selbstaufstellender Mitteltrenner, gut zu desinfizierender Planenstoff und — der praktisch wichtigste Unterschied — eine Halterung für eine 2-Liter-Sauerstoffflasche.
Worauf es beim Rucksack ankommt
Die Füllung ist durch die Norm weitgehend vorgegeben. Beim Rucksack entscheidet dagegen die Praxis, und drei Punkte werden regelmäßig unterschätzt.
Sauerstoff. Nicht jeder Notfallrucksack kann eine Sauerstoffflasche aufnehmen. Wenn Sauerstoff Teil Ihres Einsatzprofils ist oder werden könnte, ist das ein Ausschlusskriterium — nachrüsten lässt es sich meist nicht.
Reinigung und Desinfektion. Planenstoff lässt sich abwischen und desinfizieren, Gewebematerial nicht in gleichem Maß. Im Sanitätsdienst mit Publikumsverkehr ist das kein Komfortthema, sondern Hygiene.
Ordnung im Inneren. Modultaschen und Trennsysteme entscheiden darüber, wie schnell im Einsatz das Richtige zur Hand ist. Ein günstigerer Rucksack mit einem großen Hauptfach kostet im Ernstfall Sekunden.
Eine Übersicht aller Modelle finden Sie unter Notfallrucksäcke gefüllt.
Prüfung und Austausch
Eine normgerechte Füllung bleibt nur normgerecht, solange das Material gültig ist. Verbandmittel, Desinfektionsmittel und sterile Einmalartikel tragen Verfallsdaten, und eine Ausstattung mit abgelaufenen Bestandteilen erfüllt die Norm nicht mehr — unabhängig davon, dass alles vollzählig vorhanden ist.
Unsere Empfehlung: einmal jährlich prüfen. Fehlende oder abgelaufene Bestandteile lassen sich einzeln über unsere Nachfüllsets ergänzen, und auf Wunsch übernehmen wir die Prüfung Ihrer Ausstattung auch direkt für Sie — sprechen Sie uns einfach an.
Häufige Fragen
Ist die DIN 13155 verpflichtend?
Eine DIN-Norm ist zunächst eine technische Empfehlung und aus sich heraus kein Gesetz. Verbindlich wird sie, wenn sie in einer Dienstvorschrift, einer Ausschreibung oder einer Vereinbarung mit dem Auftraggeber gefordert wird — und genau das ist im Sanitätsdienst und bei Behörden der Regelfall.
Welche Fassung der DIN 13155 gilt aktuell?
Die Ausgabe DIN 13155:2018-11. Sie hat die Fassung von März 2016 ersetzt, die seitdem zurückgezogen ist. Wenn Sie Angebote vergleichen, lohnt der Blick auf den Ausgabestand — viele Anbieter führen noch die alte Jahreszahl.
Was ist der Unterschied zwischen DIN 13155 und DIN 14142?
Die 13155 zielt auf den Sanitätsdienst, die 14142 auf die Feuerwehr. Wer für eine Feuerwehr beschafft, sollte die 14142 prüfen, häufig in der Variante 14142-K.
Können wir eine Füllung nachträglich auf Normstand bringen?
Ja. Dafür gibt es die Füllung ohne Rucksack. Bei älteren Beständen lohnt allerdings der Preisvergleich: Der Aufpreis zum Komplettset ist gering.
Wie lange dauert die Lieferung?
Füllung und Komplettset sind in der Regel sofort verfügbar, die Lieferzeit liegt bei zwei bis vier Werktagen.
Beratung und Beschaffung
Für Behörden, Hilfsorganisationen und Betriebe liefern wir auf Rechnung. Bei größeren Stückzahlen oder abweichenden Zusammenstellungen erstellen wir ein Angebot — dafür genügt eine kurze Anfrage über die Produktseite.